Jesus Christus spricht: "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen."

Johannes, 6,37               

Liebe Gemeinde, es ist wunderbar jemanden zu kennen, der diesen Satz so selbstverständlich sagt – und es halten kann.
Auch in diesem Herbst fallen mir zuerst
Gegenbeispiele ein. Das grauenhafte Elend der Menschen, die zwischen Weißrussland und Polen, eigentlich der EU, in den Wäldern erbarmungsloszum Spielball politischer Interessen geworden sind. Die Menschen aus Afghanistan, die, wenn sie denn heil in Europa angekommen sind, auch irgendwo ein Zuhause brauchen. Bei uns?
Die aufdringlichen Leute in den Fußgängerzonen, die uns offensiv angehen mit ihrem Betteln um Geld. Hier im Pfarrhaus auch immer mal wieder die gleiche Frau aus einem kleinen Zirkus, bei dem ich die Unterstützung nach leidvollen Erfahrungen eingestellt habe, weil mein Vertrauen aufgebraucht ist.

Natürlich wäre ich lieber so vollmundig für jeden da, offen und zugewandt - und nicht nur weil die Leute und ich selbst - es von meinem Beruf erwarten dürfen. Ich bin gerne ein Mensch mit offenen Armen und offenem Herzen und mit all der Zeit, die ein anderer braucht. Und jetzt kommen, die vielen „Aber“ meines Lebens in der realen Welt. Und vielleicht auch Ihre vielen „Aber“ in Ihrer realen Welt, liebe Gemeinde.
Im Johannesevangelium steht unsere Jahreslosung wie eine Zusammenfassung Jesu „Ich bin“-Worte. Ich bin das Licht der Welt, das Brot des Lebens, der Weg, die Wahrheit und das Leben. „All das will ich für dich sein. Und wenn du mich dein Licht, dein Brot des Lebens, dein Weg und deine Wahrheit sein lässt, wird es sich ereignen, darauf kannst du dich verlassen.“ Unser Vers ist also kein moralisches Versprechen, sondern eine Verheißung. Wir haben ein Gegenüber, wenn wir mit all unserer Not und Schuld wiedermal an unsere Grenzen kommen. Wenn wir nicht wissen, wohin mit uns. Wenn für unser heimatloses Herz kein Ort zu finden ist. Wohin mit unserer Sehnsucht gesehen, gehört und verstanden zu werden? Geliebt zu werden, ohne vorher einen Test bestehen zu müssen?
Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Er ist der, der diesen Satz selbstverständlich sagt – und halten wird.

Ihre Pfarrerin Beate Henke