"Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott."

Psalm 42,3

 

"Wir sind heute Morgen in einer anderen Welt aufgewacht."

"Das kann doch alles nicht wahr sein!"

"In welcher Welt leben wir denn?"

"Das hätte doch niemand für möglich gehalten!"

"Und was kommt als nächstes?"

"Woher kommt uns Hilfe?"

 

Stoßseufzer unserer Seele, mal fromm und flehend, mal sehr weltlich und sehr derb. Gemeinsam war uns das ungläubige Entsetzen und die Hilflosigkeit. Kollektives Kopfschütteln, selbst bei den Leuten, die sich für gut

informiert und auf der Höhe der politischen Weltlage wähnten.

 

In der Zwischenzeit ist es Frühling geworden, auch in unserem Gemüt, der Krieg ist mehr als 80 Tage alt, wird mit jedem Tag grausiger, ukrainische Gäste reisen nach Hause, unsere Friedensandachten landauf landab sind leer geworden; Zeitenwende in Finnland und Schweden, schwindelerregende Wendemanöver in politischen Überzeugungen in unserem Land; Energiewende in alle Richtungen gezwungenermaßen; die Preise steigen, unser Land hamstert diesmal Sonnenblumenöl und Weizenmehl, Inflationsraten zum Augen reiben; in unserem Umfeld hat so ziemlich jeder Corona, aber Masken brauchen wir nicht mehr …

 

Kommt da noch jemand mit? Wie viele „Normalitäten“ - Realitäten - Lebenswirklichkeiten passen denn zusammen in unseren Kopf?

 

„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Dürstet nach den guten Mächten, die alles weise geordnet haben. Im Paradies? Aber aus dem wurde die Menschheit vertrieben. Zurück auf Anfang? Aber da herrschte Chaos, "Irrsal und Wirrsal", bis Gott Licht in die Sachse gebracht hat.

 

Chaos gehört zum Leben - von Anfang an. Gott ordnet das Chaos - Leben entsteht. Vielleicht haben wir im Chaos der Welt gerade genau diese Chance: Lassen wir unsere Gewissheiten durcheinanderwirbeln, schauen wir unsere Überzeugungen noch einmal genauer an, am besten im Gespräch mit Leuten, denen es so geht wie uns, bei Kerzenlicht in der Kirche oder im Garten mit einem kühlen Bier.

 

"Gott ist die Quelle des Lebens, in seinem Lichte sehen wir das Licht."

 

Ihre Pfarrerin Beate Henke