Klausurtagung der Kirchenvorstände in Arnoldshain

Kreisanzeiger vom 01.07.2023 (Text: Martin Ritter)

Kirchenvorstände bei der Gruppenarbeit
Kirchenvorstände bei der Gruppenarbeit

Zwei Tage haben die Kirchenvorstände (KV) des zukünftigen Nachbarschaftsraumes der Region Nidda in der Familien- und Bildungsstätte der evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) in Arnoldshain im Taunus zusammen verbracht, um sich besser kennenzulernen und vor allem, um diesen neuen Nachbarschaftsraum näher zu definieren und weiter zu konkretisieren. Das Projekt ekhn2030 beinhaltet eine stärkere Gemeinsamkeit der Kirchengemeinden miteinander, vergleichbar mit einer Großgemeinde, wie Nidda sie ist. Dem Nachbarschaftsraum Nidda werden alle Gemeinden der Großgemeinde angehören, außer Schwickartshausen, das aufgrund der geographischen Lage Ortenberg zugeordnet wird. Dazu noch Glashütten, das mit Ober-Lais zusammen eine Kirchengemeinde bildet.

 

Mit ekhn2030 wird ein Prozess zur Kirchenentwicklung gestartet, um gesellschaftlichen Veränderungen und knapper werdenden Ressourcen zu begegnen. Zentral ist dabei die Frage, welche Maßnahmen und Veränderungen dazu beitragen, die EKHN als „öffentliche und offene Kirche nahe bei den Menschen“ weiter zu entwickeln. Ziel des Prozesses ist es zum einen, Einsparoptionen angesichts zukünftig deutlich geringerer Kirchensteuereinnahmen zu benennen. Zum anderen gilt es die Frage zu beantworten, in welchen Strukturen und mit welchen Mitteln es der EKHN trotzdem gelingen kann, unter veränderten Bedingungen Menschen mit der Botschaft von Gott zu erreichen und sie als Mitglieder zu gewinnen bzw. zu halten.

 

Pfarrer Matthias Schwarz (Eichelsdorf und Ober-Schmitten) hatte die Moderation der Klausurtagung übernommen. Er fasste zunächst noch einmal die wichtigsten Eckpunkte zusammen und nannte die drei Möglichkeiten der Kooperationsräume. Einerseits gibt es die Möglichkeit, dass jede Gemeinde für sich bleibt, aber Arbeitsgruppen gebildet würden, die gemeinsame Aktivitäten planen und durchführen könnten, zum Zweiten wäre ein Modell denkbar, dass ein zentraler Kirchenvorstand, in dem alle Gemeinden vertreten sein müssten, über kirchliche Angelegenheiten entscheidet, dann in den Gemeinden Interessengruppen organisiert würden, die ihre Ergebnisse dem Gesamt-KV mitteilen sollen. Und schlussendlich könnte eine Fusion der Gemeinden ins Auge gefasst werden, wo ein übergeordneter KV Entscheidungen trifft.

 

In jedem Fall wird es aber künftig nur noch ein gemeinsames Gemeindebüro geben. Anna Thonig (KV Ober-Schmitten) stellte vier Arbeitsgruppen vor, die sich mit den beiden Oberthemen „Kirche im Ort“ und „Kirche im Nach-

barschaftsraum“ befassten und hier jeweils der Frage nachgingen, welche kirchlichen Veranstaltungen wie Gottesdienste, Gemeindefeste oder Konzerte in den Gemeinden bleiben müssen und welche im Nachbarschaftsraum angeboten werden. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Altersgruppe zwischen 20 und 45 Jahren, die der Kirche vermehrt den Rücken kehrt und deshalb verstärkt zurückgewonnen oder gehalten werden soll. Hier wurden vor allem besondere Gottesdienstformen (GoDi-Formen) ins Auge gefasst, wie Klappstuhl-GoDi, Picknick-GoDi oder GoDi mit musikalischem Schwerpunkt.

 

Auch sollen Familien mit jüngeren Kindern stärker mitgenommen werden. Hier sollte nach Meinung der AG auch die Kooperation mit Vereinen verstärkt werden, zumal letztere auch mit sinkenden Mitgliedszahlen und fehlendem Nachwuchs zu kämpfen haben. Bei der Bestandsaufnahme stellte sich heraus, wie aktiv die Kirchengemeinden sind und welche Ideen bereits entwickelt wurden, die sich auch für gemeinsame Angebote öffnen ließen. So könnte ein Erntedank-GoDi beispielsweise im größeren Rahmen auf einem Bauernhof stattfinden – Erntedank vor Ort. Nicht ausgelagert werden können Krippenspiele, die in jeder Gemeinde ihren eigenen Charakter und ihre eigene Tradition haben. Aber nicht nur besondere GoDi sollen übergemeindlich angeboten werden, sondern es könnte auch eine Art GoDi-Tourismus entstehen, wenn weniger „normale“ GoDi angeboten werden können, weil das Pfarrpersonal ja auch sinkend ist. Pfarrer Michael Clement aus Ober-Widdersheim: „Wenn ich am Sonntag vor zwei  Gemeindemitgliedern predige, dann ist das für beide Seiten unbefriedigend.“

 

Um all diese Ideen zu verwirklichen, bedarf es einer guten Vernetzung der Gemeinden untereinander, die Kommunikation muss intensiviert werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei neben dem Internet auch die Gemeindebriefe. Es gibt in der Großgemeinde Nidda für 17 Gemeinden sieben Gemeindebriefe mit unterschiedlichen Formaten und Erscheinungs-Zyklen. Hier sollte eine gemeinsame Form gefunden werden, die allen Ansprüchen gerecht wird.

 

Es ist ein dynamischer Prozess in Gang gesetzt worden, in dem noch viele Fragen zu klären sind. Pfarrer Schwarz abschließend: „Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Und wenn ich ein junger Pfarrer am Anfang meiner Laufbahn wäre, würde mich das Modell „Nachbarschaftsraum“ interessieren und begeistern.

Kirchenvorstände bei der Klausurtagung
Kirchenvorstände bei der Klausurtagung